Märchenhelden und Fabelwesen

Rumpelstilzchen

Bei Rumpelstilzchen verhält es sich ähnlich wie bei Aschenputtel: Es gibt viele unterschiedliche Versionen des Volksmärchens. Allein die Brüder Grimm hatten drei verschiedene, die sich in Details unterschieden. Zunächst hieß es „Rumpelstünzchen“, später „Rumpelstilzchen“. In der ersten Fassung lief das Männlein am Ende zornig davon, in der zweiten flog es auf einem Kochlöffel weg und erst in der dritten, bekannten Variante (erzählt von Dortchen Wild) zerriss es sich selbst in zwei Teile. Veröffentlicht wurde diese Version im Zweitdruck der Grimmschen Sammlung (1819). Bekannt ist Rumpelstilzchen auch durch seinen Ausspruch: „Heute back ich, Morgen brau ich, Übermorgen hol ich der Königin ihr Kind; Ach, wie gut ist, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!“

Bereits 1705 wurde eine französische Version veröffentlicht. Dort hieß der Kobold Ricdin-Ricdon. Das Märchen wurde aufgeschrieben von Marie-Jeanne L'Héritier de Villandon, der Nichte (bzw. Tochter, das ist nicht genau geklärt) von Charles Perrault. Hier sagt der Kobold zwar seinen Namen, aber durch einen Zauber vergisst die Prinzessin ihn gleich wieder. In dieser Version lautet der Spruch des Männleins: „Wenn dem Mädchen hübsch und fein, das nur Kinderspiele kennt, würde noch im Kopfe sein, dass Ricdin-Ricdon der Name mein, fiel' sie nicht in meine Händ'. So hol' ich sie morgen. Nein, niemand meinen Namen kennt.“

In der englischen Version hieß das Männlein Tom Tit Tot. Diese Version des Märchens erschien 1878 im „Ipswich Journal“. Der Ausspruch des Männleins lautet in diesem Märchen: „Nimmy nimmy not, Mein Nam' ist Tom Tit Tot!“ Es gibt neben der deutschen, der englischen und der französischen auch eine entsprechende dänische Märchenfigur Trillevip. Diese wurde 1854 aufgezeichnet und findet sich in Grundtvigs Märchensammlung. Hier sagt das Männlein: „Ich spinn und hasple fleißig, Eine schöne Jungfrau weiß ich, Trillevip heiß ich!“

Auch das Aussehen des Männleins wird unterschiedlich beschrieben: Bei den Grimms wird Rumpelstilzchen als Männlein mit Zipfelmütze beschrieben. Ricdin-Ricdon ist ein großer Mann mit dunklem Blick. Und Tom Tit Tot ist ein kleiner teufelsähnlicher Kobold: „Ein dünnes, kleines, schwarzes Ding mit einem langen Schwanz.“ Der Kobold, so heißt es im Märchen, wirbelt immerzu mit dem Schwanz herum. Das dänische Männlein Trillevip wird (ähnlich wie Rumpelstilzchen) als kleiner Knirps mit roter Mütze beschrieben.

Eine ungewöhnliche Variante gibt es von Christian Peter Hansen. Sein Ekke Nekkepenn liefert eine friesische Variante des Stoffes. Ekke Nekkepenn ist ein Meermann, der eine neue Braut sucht, weil seine alt und faltig geworden ist. Er zwingt eine junge Frau namens Inge, die nur aus der Sache herauskommt, wenn sie am nächsten Tag seinen Namen errät. Auch Ekke Nekkepenn verrät sich durch einen Reimspruch: "Heute soll ich brauen; Morgen soll ich backen; Übermorgen will ich Hochzeit machen. Ich heiße Ekke Nekkepenn, Meine Braut ist Inge von Rantum, Und das weiß Niemand als ich allein."

Gleich zweimal hat sich Christian Peitz dem Rumpelstilzchen-Stoff gewidmet. Einmal präsentiert er eine neue Fassung des Märchens, in der er offenen Fragen der Grimmschen Version widmet: Schickt der Müller seine Tochter tatsächlich in eine ausweglose Situation und damit in den sicheren Tod? Warum heiratet die Müllerstochter den König, der ihr Leben bedroht hat? Die zweite Peitzsche Fassung ist das Märchenhörspiel "Rumpelstilzchen schlägt zurück", eine Märchencollage, in der das Männlein nicht der schönen Müllerstochter, sondern dem etwas irritierten Rotkäppchen begegnet.

Rumpelstilzchen-Empfehlungen


  • Ricdin Ricdon aus den "Märchen" (Charles Perrault)

  • Rumpelstilzchen aus der Sammlung "Kinder- und Hausmärchen" (Jacob und Wilhelm Grimm)

  • Rumpelstilzchen aus dem Buch "Zehn auf einen Streich" und das Hörspiel Rumpelstilzchen schlägt zurück auf der gleichnamigen CD (beide: Christian Peitz)

  • Trillevip aus dem Buch "Dänische Volksmärchen" (Svend Hersleb Grundtvig)

  • Tom Tit Tot, aus der Sammlung "Englische Volksmärchen"

  • Ekke Nekkepenn, aus der Sammlung "Sylter Sagen" (Christian Peter Hansen)


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