Märchenhelden und Fabelwesen

Zwerg, Gnom, Kobold und Däumling

Es gibt diverse Märchenfiguren, die als Gemeinsamkeit ihre Körpergröße aufweisen: Zwerge, Gnome, Wichtel, Kobolde, Däumlinge und gewiss noch einige andere. Die Zwerge sind wohl die bekanntesten. Auch der Däumling ist klar definiert. Wichtel, Gnom und Kobold sind weniger klar festgeschrieben. Wichtel werden mal als hilfreiche Hausgeister, mal als Störenfriede beschrieben. Kobolde sind immer Störenfriede, unterscheiden sich aber in der Dimension ihrer Bosheiten. Der Gnom ist am schwierigsten zu fassen. Er gehört wohl vor allem in den Bereich Fantasy-Literatur, aber wird dort völlig unterschiedlich eingesetzt. Hin und wieder taucht er auch synonym für Zwerg auf. Klare Typzuschreibungen gibt es jedenfalls nicht.

Zwerge

Die wohl geläufigsten der kleinen Märchenfiguren sind die Zwerge, zum einen, weil sie in "Schneewittchen" (Grimm) einen berühmten Auftritt haben, und zum anderen, weil sie auch in der Fantasy-Literatur häufig und prominent vertreten sind, z.B. bei Tolkien. Sie werden häufig als Bergarbeiter beschrieben, die "unter Tage" Schätze abbauen. Im Märchen sind sie entweder Helferfiguren, wie in "Schneewittchen" (Grimm) oder sie sind kautzige Naturgeister, wie in "Schneeweißchen und Rosenrot" (Grimm) und "Die goldene Gans" (Grimm), die man besser nicht verärgert.

Ebenfalls in die Kategorie "Zwerg" könnte man Rumpelstilzchen einordnen, auch wenn bei ihm nicht richtig klar ist, ob er Zwerg, Gnom oder Kobold ist. Die "Zipfelmütze" könnte für "Zwerg" sprechen. Ebenfalls unklar (vielleicht auch unnötig) ist die Einordnung des Protagonisten in "Der kleine Muck" (Hauff). Der berühmte "Zwerg Nase" (Hauff) ist in Wahrheit kein Zwerg, sondern ein verhexter Schusterjunge.

Zwergenmärchen

  • Jacob und Wilhelm Grimm: "Schneewittchen", "Schneeweißchen und Rosenrot", "Die goldene Gans", Rumpelstilzchen aus den "Kinder- und Hausmärchen"

  • Wilhelm Hauff: "Zwerg Nase", "Der kleine Muck" aus "Sämtliche Märchen"

    Däumling

    Der Däumling ist ein Märchenheld, der seinen Namen hat, weil er nur so groß ist wie ein Daumen. Er ist eine bekannte Märchenfigur, der sich verschiedene Märchendichter und -sammler angenommen haben. In Perraults Märchensammlung erscheint 1697 ein Däumling in dem Märchen "Le petit poucet" ("Der kleine Däumling"). Ludwig Tiek veröffentlichte 1811 ein Theaterstück "Leben und Thaten des kleinen Thomas, genannt Däumchen". Die Brüder Grimm haben zwei Däumlingsgeschichten in ihre Sammlung aufgenommen: "Des Schneiders Däumling Wanderschaft" (1812) und "Daumesdick" (1819). Ludwig Bechstein hat in seinem Märchenbuch eine nur wenig veränderte deutsche Version des Perrault-Märchens untergebracht (1847). In "Der tapfere Däumling" (Peitz) mischen sich die Figuren Däumling und Wichtel. Letzterer ist im Gegensatz zum klassischen Däumling magiebegabt.

    Kunstmärchendichter Hans Christian Andersen hat das Motiv auf seine Weise bearbeitet und aus dem männlichen Däumling einen weiblichen gemacht: "Däumelinchen" (1835) Typisch Andersen bekommt es Däumelinchen mit diversen Kleintieren zu tun, die sie alle heiraten wollen. Doch Däumelinchen entkommt ihnen und lernt am Ende einen kleinen Blumenprinzen kennen, der natürlich besser zu ihr passt als Kröte, Maikäfer und Maulwurf.

    Däumling-Märchen

  • Jacob und Wilhelm Grimm: "Daumesdick" und "Des Schneiders Daumerling Wanderschaft" aus den "Kinder- und Hausmärchen"

  • Charles Perrault: "Der kleine Däumling" aus den "Märchen"

  • Hans Christian Andersen: "Däumelinchen" aus "Sämtliche Märchen"

  • Astrid Lindgren: "Nils Karlsson Däumling" aus "Märchen"

  • Christian Peitz: "Der tapfere Däumling" aus "Eselsohr und Hahnenkamm"
  • Schneewittchen